Mein plastikfreier Monat – wie war er und wie geht’s weiter?

Wir werden in diesem Jahrzehnt mehr Plastik verbrauchen als in allen Jahren seit seiner Erfindung.

Craig Leeson, Regisseur, „A Plastic Ocean“, Juli 2017

 

Mitte Juli habe ich mit meinem plastikfreien Monat begonnen. Schon lange nervt mich der ganze Müll, den ich Woche für Woche produziere. Auch wenn ich schon lange versuche, Obst und Gemüse verpackungsfrei zu kaufen, so häufen sich doch vor allem die Verpackungen der Molkereiprodukte bei mir. Durch das viele Backen fällt natürlich auch viel an: Verpackungen von Butter, Quark, Sahne, Nüssen, Mehl, Früchten und so weiter. Dazu kam jeden Morgen ein Plastikbecher Skyr, mittags ab und zu Verpackungen von To-Go-Lebensmitteln und abends beim Essen im Restaurant ein Strohhalm im Cocktail. Nein, das wollte ich wirklich nicht mehr. Also habe ich mein letztes Skyr-Frühstück zelebriert und bin dann auf fettarmen Joghurt umgestiegen. Natürlich aus dem Glas.

Eine Umstellung ist unausweichlich

Klar, so ein Umstieg bedeutet eine Umstellung und teilweise auch Verzicht. Es gibt einfach nicht alle Lebensmittel plastik- oder verpackungsfrei, aber man kann schon einiges finden, wenn man nur sucht. Ich muss zugeben, dass ich hier in Bremen mit gleich drei Unverpacktläden wirklich verwöhnt bin. Was es bei dem einen nicht gibt, hat der andere bestimmt. Aber ich habe auch damit begonnen, wieder häufiger auf den Markt zu gehen. Oft gibt es an den Käseständen die Möglichkeit, Butter oder Frischkäse verpackungsfrei zu kaufen. Man sollte sich vorher natürlich überlegen, was man in etwa kaufen möchte, damit man die entsprechenden Behälter von zuhause mitnimmt.

plastikfreier Monat - plastikfrei einkaufen - unverpackt einkaufen

Und was ist mit meinen ganzen Plastikbehältern?

Wer nun denkt, ich gehe nur noch mit Glasbehältern einkaufen, der irrt. Ich verwende auch weiterhin meine Plastikbehälter, denn sie sind ja noch gut. Es geht mir ja nicht nur um Plastikfreiheit, sondern auch um Nachhaltigkeit. Und es wäre nun wirklich nicht nachhaltig, alle vorhandenen und noch guten Plastikbehälter gegen plastikfreie einzutauschen. Nur wenn etwas kaputt geht, dann wird das neue Produkt aus Edelstahl, Glas oder Holz gekauft – möglichst aus nachhaltiger Produktion.

Was habe ich denn nun zwischen Juli und August aus Kunststoff gekauft?

  • einen Becher Mascarpone (habe ich tatsächlich versucht selbstzumachen, aber ich bin mit meinem Herd gescheitert)
  • einen Becher Saure Sahne (brauchte ich dringend und konnte ich deshalb nicht selbstmachen)
  • eine Nudelverpackung mit Plastikfenster (ich hatte Nudeln im Unverpacktladen vergessen und habe abends Gäste erwartet)
  • zwei Verpackungen vom Käse-Einkauf (einmal habe ich meinen Behälter vergessen und einmal haben sie mir den Käse in einer anderen Stadt nicht in meine Verpackung geben wollen)
  • Deckel vom Ahornsirup (damit mache ich immer mein Granola und anders habe ich Ahornsirup noch nicht entdeckt)

plastikfreier Monat

Das war wirklich alles, zumindest neu Gekauftes. Klar hatte ich noch einige alte Verpackungen, deren Inhalt ich geleert habe und die dann im Müll gelandet sind. Mir ging es aber um „neu produzierte“ Kunststoffe. Auch Dinge, die mir geschenkt wurden, sind nicht aufgeführt. Aber das waren auch nicht viele, denn viele meiner Freunde wussten schon von meinem Projekt. Dafür ist solch ein Blog schon praktisch!

Ohne Absprachen ist es schon einfacher

Zugegenermaßen habe ich zwei Vorteile: Erstens wohne ich alleine und muss mich niemandem gegenüber rechtfertigen, was, wie oder wo ich etwas kaufe. Wenn man einen Partner an der Seite hat, der seine Gewohnheiten einfach nicht ändern will, wird es schwierig. Oft höre oder lese ich von anderen Leuten: Ich würde ja gerne etwas tun, aber der andere blockiert alles. Dass da die Motivation sinkt, kann ich verstehen. Aber wenn man in kleinen Schritten und nach Absprache Dinge ändert und nicht missionarisch auf den Partner einwirkt, könnte das klappen. Andererseits könnte man – wenn beide Interesse an dem Thema haben – auch eine Challenge machen, wer weniger Müll produziert.

Und mein zweiter Vorteil ist, dass ich es liebe einzukaufen! In fremden Ländern streune ich stundenlang durch die Supermärkte um zu schauen, was es da so gibt. In unseren drei Unverpacktläden habe ich mir alle Produkte erstmal genau angesehen und wenn ich in anderen Städten bin schaue ich mir auch dort in den Unverpacktläden die Lebens- und Reinigungsmittel an. Wenn ich samstags auf dem Markt unterwegs bin, schlendere ich erstmal an allen Ständen vorbei um danach mit dem Einkauf zu beginnen.

plastikfreier Monat - plastikfrei einkaufen - unverpackt einkaufen

Und wie beginnt man nun mit dem verpackungsfreien Leben?

Meine Empfehlung ist tatsächlich, im Lebensmittelbereich zu beginnen. Dort ist die Umstellung am einfachsten, wie ich finde. Joghurt, Quark, Sahne und Milch gibt es im Glas. Für Obst und Gemüse kann man Baumwolltaschen nehmen oder einfach mal wieder mit dem Korb über den Markt schlendern. Danach geht es mit den Produkten im Badezimmer und den Putzmitteln weiter. Vieles kann man nämlich durch natürliche Substanzen ersetzen (Augen-Make-Up-Entferner durch Öl etc.), aber da komme ich zu einem späteren Zeitpunkt noch zu. Hier könnt ihr auch noch mal meine ersten Tipps zur Vermeidung von Plastikmüll nachlesen.

Voraussichtlich Ende des Monats werde ich euch mal die Unverpacktläden in Bremen vorstellen. Ich kann euch nur empfehlen, mal in einem Unverpacktladen in eurer Nähe vorbeizuschauen, oft gibt es dort auch leere Einweggläser, die ihr befüllen und mitnehmen könnt. Hier ist eine Karte mit all den Unverpacktläden in Europa.

Mein weiterer Weg

Ihr habt es wahrscheinlich schon geahnt – ich werde weitermachen! In den letzten sechs Wochen zusammen ist mein gelber Sack gerade mal zur Hälfte befüllt worden und das motiviert ungemein. Wie ich meine Backleidenschaft mit dem verpackungsfreien Leben unter einen Hut bekomme und wie man z.B. Frischkäse ganz einfach selbst machen kann, erzähle ich euch in den nächsten Wochen und Monaten.
Und nein, auch ich bin nicht perfekt. Zahnpastatabletten habe ich bspw. ausprobiert, aber das hat bei mir nicht so geklappt. Und meine Zähne sind mir doch zu wichtig, um da zu experimentieren. Außerdem hänge ich noch an meiner Bodylotion. Auch da werde ich über kurz oder lang eine Alternative finden müssen, aber man sollte sich auch nicht zu sehr unter Druck setzen. Wenn sich jeder mal mit seinem Verpackungsmüll auseinandersetzt, ist schon viel erreicht.

Falls euch irgendwas Spezielles interessiert, fragt sehr gerne nach!
Eure Marileen

4 Comments

  1. Schirin 9. September 2018 at 21:32

    Wow, Marileen, dass ist mal ne tolle Bilanz. Super! Ich finde das wirklich toll und will auch gar nicht dagegen anreden. Aber Du hast es erwähnt, mit Kindern und Job ist es einfach schwieriger. Oftmals bleibt mir das Einkaufen nach 20.00 Uhr nur möglich, die guten Unverpackt-Läden sind zu weit weg und bei einigen Dingen bin ich auch auf die Nase gefallen, wie z.B. mit meiner Haarseife oder selbstgerechtem Spülmittel. Aber es ist ein Wandel da und wenn wir alle nur ein paar Dinge beachten, wär das schon ein Riesen Gau.

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    1. Marileen | Holz & Hefe 9. September 2018 at 22:32

      Liebe Schirin,
      vielen lieben Dank! Ja, das mit den Einkäufen mit Kindern stelle ich mir auch problematisch vor. In meiner Fantasie ist so ein Unverpacktladen bestimmt auch für die eine tolle Erfahrung, aber die Realität sieht vermutlich anders aus ;).
      An selbstgemachtes Spülmittel habe ich mich noch nicht getraut, mit meiner Haarseife komme ich glücklicherweise gut klar (aber auch erst mit der zweiten Sorte, die erste war eine Katastrophe).
      Liebe Grüße, Marileen

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  2. Miriam 10. September 2018 at 18:48

    Hey Marileen!
    Ich mache auch Schritte hin zum Plastikverzicht – mit Shampoo und Seife (statt dem Zeug aus der Plastikflasche) habe ich schon sehr gute Erfahrungen gemacht, mit dem Abschminken mit Öl leider noch nicht – welches Öl verwendest du da? Ich hab den Eindruck, ich krieg da so gut wie nichts runter von meiner wasserfesten Mascara.
    Lebensmittel packe ich Stück für Stück an: mit Markteinkäufen ist schon viel getan, aber hach, der Mann isst soooo viel Quark und Joghurt. Mal schauen, wie wir das in den Griff bekommen, dass es da glasig wird – mit der Eigenproduktion komm ich bei dem KOnsum nicht hinterher 😀
    Lg, Miriam

    Reply
    1. Marileen | Holz & Hefe 10. September 2018 at 21:30

      Hallo Miriam,
      momentan nutze ich wenig Mascara, aber ich hatte es (bevor sich mein bisheriger Augen-Make-Up-Entferner dem Ende neigte) mit Kokosöl probiert. Das hat gut funktioniert und ich habe auch wasserfeste Mascara. Also etwas verflüssigen und dann aufs Baumwollpad. In den Facebook-Gruppen zum Thema Zero Waste habe ich aber auch schon von Olivenöl gelesen, das wäre natürlich noch besser.
      Ich esse auch jeden Tag zum Frühstück etwa 350g Joghurt, also ein 3/4 Glas. Da fällt schon einiges an Pfandgläsern an ;).
      Wie schön, dass du dich auch schon auf den Weg machst!
      Liebe Grüße
      Marileen

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