Alleine wandern in den englischen Cotswolds

Schon in meinen Artikeln zur englischen Woche und den selbstgebackenen Müsliriegeln hatte ich es angekündigt: Meine erste Wanderreise stand an! Als Ziel hatte ich mir – das kommt nun wenig überraschend – England ausgesucht, da ich ein Land suchte, in dem ich mich ohne Probleme verständigen kann und in dem es nicht zu warm ist. Falls ihr nun aber einen Reisebericht mit Backpack und Zelt erwartet, muss ich euch enttäuschen. Ich habe die Reise über eine Reiseagentur gebucht, die den Koffer von einer Unterkunft zur nächsten transportiert und wo man in schönen kleinen B&Bs übernachtet. Fürs erste Mal alleine wandern muss man es ja auch nicht übertreiben.

Alleine wandern in den Cotswolds England

Erst wollte ich diesen Artikel unterteilen in meine Erfahrungen zum Alleinwandern und die Route, die ich gewandert bin. Aber da ich schon vorab keine Probleme im Alleinreisen sah und auch während der Reise keine aufgetreten sind, fällt dieser Teil sehr kurz aus. Generell muss ich sagen, dass ich keine Probleme mit dem Alleinsein habe. Das ist wahrscheinlich der erste Punkt, der solch eine Reise einfacher macht. Ich kann mich gut mit mir selbst beschäftigen und solange WLAN bzw. LTE in der Nähe ist, habe ich auch keine Langeweile. Und das gibt es in England wirklich in jedem entlegenen Dorf.

Alleine wandern in den Cotswolds England

Und ich habe auch keine Angst, dass mich plötzlich jemand überfällt. In anderen Ländern ist diese Angst vielleicht berechtigt, aber nicht in England. Hier habe ich so viele nette und hilfsbereite Menschen kennengelernt! Gleich am ersten Tag bin ich nämlich eine Station zu früh aus dem Zug gestiegen und schon nach 30 Minuten kam eine Frau zu mir, die gerade ihren Sohn am Bahnhof abgeladen hat, und fragte, ob sie mich mit in den nächsten Ort nehmen könne. Ich weiß, so beginnen auch manche Horrorgeschichten, aber es ist gut ausgegangen.

Meine Reiseroute teilte ich außerdem mit einem Ehepaar vom Bodensee, mit denen ich mich am Frühstückstisch auch mal austauschen konnte. Die letzte Route sind wir dann zum Großteil auch zusammen gewandert. Wie ihr also sehen könnt: Alleine wandern ist in England wirklich problemlos möglich.

Alleine wandern in den Cotswolds England

Nun zu meiner Route. Ich habe die Reise wie gesagt über eine Reiseagentur gebucht, die sich auf Wanderreisen spezialisiert hat. Einen Nachteil gibt es beim Alleinreisen dann doch: den Einzelzimmerzuschlag. Die Reise für eine Person im Doppelzimmer hätte etwa 725€ gekostet, ich habe sage und schreibe nochmal 450€ Einzelzimmerzuschlag zahlen müssen! Da musste ich schon schlucken, aber ich wollte diese Art der Reise wirklich gerne mal ausprobieren. Für den Flug und den Zug zum ersten Wanderort ist man selbst verantwortlich. Das ist preislich in der heutigen Zeit ja machbar, auch wenn ich das Fliegen soweit wie möglich vermeide. Um das grüne Gewissen ein wenig zu entlasten, kann man online seinen Flug kompensieren und Klimaschutzprojekte unterstützen.

Alleine wandern in den Cotswolds England

Ich hatte eine Rundreise in den Cotswolds gebucht, die liegen ziemlich in der Mitte Englands, anderthalb Stunden westlich von London. Mit dem Zug kommt man ganz einfach zum ersten und letzten Ort, Moreton-in-Marsh. Von Stansted habe ich etwa drei Stunden dorthin gebraucht, das andere Ehepaar ist von Heathrow geflogen und hat sich einen Flughafentransfer gebucht, das ist zu zweit unwesentlich teurer als der Zug. Kommen wir nun zu den einzelnen Etappen:

Tag 1: Moreton-in-Marsh nach Bourton-on-the-water (19 km)

Alleine wandern in den Cotswolds - Tag 1Für den ersten Tag ein ordentlicher Marsch für einen ungeübten Wanderer wie mich. Das Wetter war wechselhaft, aber es hat in der gesamten Woche während des Wanderns nicht einmal richtig geregnet! Da sah die Vorhersage deutlich schlechter aus. Meine erste Begegnung mit einer Kuhherde konnte ich glücklicherweise mit dem Ehepaar machen, sonst hätte ich schon etwas Angst gehabt. Stadtkind eben… Es ging über Felder, Weiden und durch Wälder, vorbei an Herrenhäusern und den typischen gelben Kalksteinhäusern der Cotswolds. In der Mitte der Route lag Stow-on-the-wold, wo ich in einem Tea Room für ein leckeres Sandwich eingekehrt bin (das klingt nun richtig nach Wanderschaft, oder?!). Einige Kuhwiesen später kam ich am Ziel des heutigen Tages an. Bourton-on-the-water war auch direkt der schönste Ort der Reise, es wird auch das Venedig der Cotswolds bezeichnet! Direkt durch die „Innenstadt“ fließt ein kleiner Fluss, in dem die Kinder und die Hunde spielen und die Erwachsenen ihre Füße abkühlen können. Gefühlt hatte das Wasser gerade mal 5 Grad, aber es kam an dem Tag die Sonne raus und somit war es eine willkommene Abwechslung für meine geschwollenen Füße. Durch die Schönheit des Ortes war er allerdings auch überfüllt mit Touristen, erst zum Abend hin wurde es ruhiger.

 

Alleine wandern in den Cotswolds England - rote Tür

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Alleine wandern in den Cotswolds England - Bourton-on-the-water

Alleine wandern in den Cotswolds England - Bourton-on-the-water

 

Tag 2: Bourton-on-the-water nach Winchcombe (19,5 km)

Alleine wandern in den Cotswolds - Tag 2Nach dem ersten langen Tag und einem ordentlichen Muskelkater hatte ich beschlossen, diese Route abzukürzen und ins nächste Dorf mit dem Taxi zu fahren um nur noch 14km wandern zu müssen. Ich hatte allerdings nicht die schlechte Taxiversorgung und den Bank Holiday Feiertag bedacht und mit Hilfe meines Gastgebers eine Stunde lang erfolglos versucht ein Taxi zu bestellen. Also musste ich doch mit einer einstündigen Verspätung und ziemlicher Wut im Bauch die komplette Strecke wandern. Ich hatte aber Glück und die Strecke hat mich entschädigt: Es gab weniger Tiere auf dem Weg und mehr saftig-grüne Wiesen; so hatte ich mir die Reise vorgestellt. Sogar mitten durch Rapsfelder führte die Strecke (glaube ich zumindest – die Pflanzen waren gelb und ich habe keine Ahnung von Pflanzen).

In Winchcombe angekommen erwartete mich ein Straßenfest direkt in der Straße meiner Pension. Nach viereinhalb Stunden wandern hieß es aber erstmal duschen. Dann war ich tatsächlich noch kurz auf dem Fest und habe im Supermarkt Getränke für den nächsten Tag gekauft und danach lag ich nur noch auf dem Bett. Am zweiten Tag war der Muskelkater am schlimmsten und auch meine Bänder schmerzten von einigen kleinen Umknickern.

Alleine wandern in den Cotswolds England

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Tag 3: Winchcombe nach Broadway (15 km)

Alleine wandern in den Cotswolds - Tag 3Ein Lichtblick, die heutige Strecke war kürzer! An diesem Tag hatte man die Wahl zwischen einer höhergelegenen Strecke von 19km oder einer tiefergelegenen von 15km. Ihr könnt euch denken, dass ich nicht eine Sekunde überlegt habe. Die Berge machten mir norddeutschen Deern doch ganz schön zu schaffen. Direkt am Anfang der Strecke stand eine kleine Kirche, die ich mir einmal ansehen wollte. Da kam auch eine kleine Gruppe älterer Engländer um sie sich anzugucken und ein Herr fragte mich, ob ich aus Deutschland komme. Ich frage mich, woran er das erkannt hat. Keine Adiletten, keine weißen Socken – ich hatte mir wirklich Mühe gegeben…

Im kleinen Örtchen Stanton warteten malerische Cottages auf mich. Ich fand es wirklich faszinierend, dass es auf der gesamten Strecke keine typischen Neubauten gab! Natürlich waren auch zwei, drei neue Häuser dabei, aber auch die waren mit den gelben Steinen erbaut. Man konnte sich richtig gut vorstellen, wie die Orte 200 Jahre zuvor schon genauso ausgesehen haben.

In Broadway wartete die nächste Unterkunft mit dem tollsten Frühstück auf mich! Ein kleines Bed & Breakfast mit etwas plüschigen Zimmern, aber einer tollen Frühstücksauswahl am Morgen. Die Inhaberin Pam kann unglaublich gut backen und zauberte das leckerste Bananenbrot auf den Tisch, das ich je gegessen habe. Und auch das Zitronenbrot und die verschiedenen Joghurts mit Früchten hat sie am Morgen alle frisch zubereitet.

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Tag 4: Broadway nach Chipping Campden (9 km)

Alleine wandern in den Cotswolds - Tag 4Es war schon gut, dass die letzten Etappen immer kürzer wurden. Die heutige begann aber gemein: der einzige Anstieg lag direkt am Anfang und das nach diesem guten Frühstück… Das war einer der Momente, an denen ich mir eine Wanderung durch flachere Ebenen gewünscht habe. Das Wetter an diesem Tag war recht bescheiden, so dass ich aber immerhin mal meine Regen-Wanderhose anziehen konnte. Es war sehr neblig und am Ende des Aufstiegs wartete der Broadway-Tower auf mich. Stand zumindest so im Plan: Einfach in Richtung des Towers gehen. Glücklicherweise hatte ich neben der Wegbeschreibung der Reiseagentur immernoch eine App mit GPS an, in die ich die Touren vorher geladen hatte. Der Tower erschien durch den Nebel nämlich erst, als ich 20 Meter vor ihm stand. Eine Besichtigung lohnte sich bei dem nicht vorhandenen Ausblick dann auch nicht.

An diesem Tag habe ich sogar einen Fuchs gesehen! Leider war er zu schnell weg und ich konnte meine Kamera nicht rechtzeitig zücken. In Chipping Campden bezog ich die kleinste der Unterkünfte. Im B&B von Mark und Deenie gibt es nur zwei Zimmer und die beiden Gastgeber wohnen im gleichen Haus. Mehr B&B geht ja praktisch gar nicht. Auch hier wurde das Frühstück wieder liebevoll zubereitet.

Am Abend zuvor konnte ich aber endlich mal wieder gesund essen. Das ist in England wirklich schwierig, zumindest auf dem Land, wo es keine fancy Buddha Bowls oder ähnliches gibt. Schon in Broadway hatte ich einen Versuch unternommen und mir einen Pie mit einem Süßkartoffelcurry darin bestellt. Und was kam an? Ein mini Pie auf einer großen Ladung Pommes… In Chipping Campden fand ich aber ein nettes Restaurant mit toller Musik, wo ich mir Cajun Chicken mit gegrillter Paprika und Avocado bestellt habe. Sooo lecker!

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Tag 5: Chipping Campden nach Moreton-in-Marsh (12,5 km)

Alleine wandern in den Cotswolds - Tag 5Der letzte Wandertag brach an und England zeigte sich nochmal von seiner schönen Seite. Hin und wieder blitzte die Sonne zwischen den Wolken hervor und den Großteil des Weges wanderte ich mit dem Ehepaar vom Bodensee gemeinsam. Es war auch mal nett sich während des Wanderns zu unterhalten. Viele Fotos habe ich nun nicht mehr gemacht, da sich die grünen Wege mit den Kalksteinhäusern irgendwann wiederholten. Schön anzusehen waren sie trotzdem!

Am nächsten Tag ging es dann früh morgens wieder zurück nach Deutschland. Glücklicherweise hatte ich spontan überlegt, von Moreton nach London einen Zug früher als geplant zu nehmen. Mein eigentlicher Zug wurde einfach ohne Ankündigung gecancelt (da schimpfe nochmal jemand über die Deutsche Bahn…) und mit dem Zug danach hätte ich meinen Flug wohl kaum mehr erreicht. Pünktlich bin ich in Bremen gelandet und das Schöne am Bremer Flughafen sind ja die ultrakurzen Wege. Schon 20 Minuten nach der Landung steht man mit seinem Koffer an der Straßenbahnhaltestelle, schneller gehts wirklich nicht.

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Und so ging eine schöne und interessante Reise zu Ende. Schon lange wollte ich mal alleine wandern gehen und nun habe ich es endlich in die Tat umgesetzt. Ob ich es nochmal machen würde? Ja. Aber nur in flacheren Regionen. Dazu muss ich sagen, dass die höchste Erhebung in Bremen 49m hoch ist – es ist die Mülldeponie… Ich könnte mir gut vorstellen, mal an der Küste von den Niederlanden nach Deutschland zu wandern. Schön am Deich entlang. Vielleicht dann im nächsten Jahr!

Falls ihr Fragen zu der Reise oder den Unterkünften habt, immer her damit.

Eure Marileen

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6 Comments

  1. Juliane 22. Juni 2018 at 12:31

    Was für tolle Fotos und so ein interessanter Bericht. Man möchte am liebsten gleich los laufen…
    Bin schon gespannt, wo Deine nächste Reihe hin geht.
    Die Müsliriegel nach Deinem Rezept habe ich inzwischen schon 3 mal gebacken (ich hab noch klein gehackte Cranberries dazu getan). Die sind sehr lecker!
    Liebe Grüße, Juliane

    Reply
    1. Marileen | Holz & Hefe 22. Juni 2018 at 18:19

      Liebe Juliane,

      das freut mich total, dass ich dich mit meiner Wanderlust anstecken konnte! Wenn ich die Bilder so sehe, möchte ich am liebsten auch direkt wieder loslaufen ;).

      Oha, da bist du ja richtig fleißig mit den Riegeln! Wie toll! Die Cranberries darin schmecken sicher auch richtig lecker und geben den Müsliriegeln noch etwas Fruchtiges.

      Ganz liebe Grüße
      Marileen

      Reply
  2. Sarina 24. Juni 2018 at 20:27

    „Sogar mitten durch Rapsfelder führte die Strecke (glaube ich zumindest – die Pflanzen waren gelb und ich habe keine Ahnung von Pflanzen).“
    Wir sind uns manchmal so ähnlich :‘-D

    Reply
    1. Marileen | Holz & Hefe 24. Juni 2018 at 20:41

      :D. Aber du hast immerhin einen grüneren Daumen als ich.

      Reply
  3. Veronique | keksstaub.de 25. Juni 2018 at 19:48

    Schöner Bericht und tolle Bilder! Ich liebe UK und Irland ja sehr.

    Eine Freundin von mir ist vor ein paar Wochen auch erstmals gewandert in Portugal einen Pilgerweg für Einsteiger, weil besonders flach 😉

    Bin gespannt ob du nochmal wanderst.

    LG Veronique

    Reply
    1. Marileen | Holz & Hefe 28. Juni 2018 at 21:33

      Oh, ein flacher Pilgerweg klingt super! Portugal ist mir eigentlich zu warm, aber vielleicht geht es im frühen Frühling oder im Spätherbst ja.
      Nach Irlaub möchte ich auch unbedingt einmal! Nach dem Brexit gehts dann dorthin ;). Euren Irland-Account verfolge ich auch fleißig!

      Liebe Grüße
      Marileen

      Reply

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