Eine Reise in die Vergangenheit: Rummelpott mit Pförtchen

Wie ihr inzwischen mitbekommen haben dürftet, liegen meine Wurzeln im hohen Norden Deutschlands, genauer gesagt in Flensburg. Wie in jeder Region gibt es auch dort bestimmte Sitten und Gebräuche, die in anderen Regionen Deutschlands gänzlich unbekannt sind, so zum Beispiel das Rummelpottlaufen. Traditionell gehen die Kinder am späten Silvesternachmittag geschminkt und verkleidet von Haustür zu Haustür und singen Lieder wie

Ich bin ein kleiner König,
gib mir nicht zu wenig,
lass mich nicht zu lange stehen,
denn ich muss noch weiter gehen.

oder ganz altehrwürdig auf Plattdeutsch

Fru, mok de Dör op, de Rummelpott will rin.
Dor kümmt een Schipp ut Holland,
de hett keen gooden Wind.
Schipper, wist du wieken,
Bootsmann, wist du strieken,
sett de Segel opp de Topp
und giff mi wat in´n Rummelpott.

Wenn man dieses Lied mehr oder weniger inbrünstig vorgetragen hat, bekommt man etwas Süßes in seinen „Rummelpott“, heute meist ein normaler Stoffbeutel.

Pförtchen Förtchen Poffertjes Aebleskiver
Pförtchen Förtchen Poffertjes Aebleskiver

Ursprünglich war der Rummelpott natürlich mal etwas anderes. Der Begriff stammt aus dem Niederdeutschen und bezeichnete früher eine Blechdose oder einen Topf, der mit einer Schweinsblase überzogen war. Mit einem Stock, der mittig durch die Schweinsblase geht, wurde dann ordentlich Krach gemacht und damit die bösen Geister vertreiben, um sie nicht mit ins neue Jahr zu nehmen.

Am Ende des Tages hatte man dann einen Berg voll Süßigkeiten gesammelt. In meiner Kindheit waren auch mal Mandarinen oder sogar 50 Pfennig dazwischen! Und dann hatten wir eine Nachbarin, bei der es etwas ganz Besonderes gab. Jedes Jahr zum Rummelpottlaufen buk sie Pförtchen für die Rummelpottlaufenden Kinder. Zugegebenermaßen lag ihre Haustür etwas versteckt, so dass sie nicht allzu viel zu tun hatte, aber meine Schwester und ich mussten nur der Nase nach ;). Die  warmen Pförtchen wickelte sie in Alufolie, damit wir sie später zuhause genießen konnten. Und das taten wir dann auch!

Pförtchen Förtchen Poffertjes Aebleskiver
Pförtchen Förtchen Poffertjes Aebleskiver

Bei meiner Omi gab es zum Nachmittagskaffee auch immer mal wieder Pförtchen, dann mit Fliederbeermarmelade und Zucker zum Dippen. Als ich Jahre später von zuhause auszog, habe ich von meiner Mutter Schwester eine Pförtchenpfanne bekommen, die für dieses Gebäck „leider“ unumgänglich ist. An ihr sieht man aber auch den Unterschied zwischen niederländischen Poffertjes und niederdeutschen Pförtchen (oder auch Förtchen): Die Poffertjes sind flacher als die schön runden Pförtchen. Das Rezept stammt noch original von meiner Omi.

Pförtchen Förtchen Poffertjes Aebleskiver
Pförtchen Förtchen Poffertjes Aebleskiver

Für etwa 30 Stück braucht ihr folgende Zutaten:

  • 125g Mehl
  • 190ml Milch
  • 2 Eier
  • 1/2 TL geriebene Zitronenschale
  • 12g frische Hefe
  • 1 TL Zucker
  • eine Prise Salz
  • 25g Butter (flüssig, aber kalt)
  • Butter zum Ausbacken
Pförtchen Förtchen Poffertjes Aebleskiver
Pförtchen Förtchen Poffertjes Aebleskiver

Die Hefe mit 1 EL lauwarmer Milch (von den 190ml) und 1 TL Zucker vermengen, bis sie sich auflöst. Eier trennen, das Eiweiß steif schlagen.

Hefegemisch mit Mehl, Milch, Eigelb, Zitronenschale, Salz und Butter verrühren, zuletzt das Eiweiß unterheben.

In jede Mulde der Pförtchenpfanne ganz wenig Butter geben und auf die mittelhohe Stufe stellen. Dann die Mulden zu 3/4 mit dem Teig befüllen und den unteren Teil kurz anbräunen lassen. Nun wird es figelinsch, wie man in Norddeutschland zu sagen pflegt. Mit einem Holzstäbchen dreht man die Pförtchen mit Schwung um, so dass eine schöne Kugel entsteht. Ihr dürft dabei nicht verzagen, selbst mit jahrelanger Übung wird nicht jeder perfekt! Wieder bräunen lassen und dann auf jeden Fall noch warm mit Zucker und Marmelade genießen.

Pförtchen Förtchen Poffertjes Aebleskiver
Pförtchen Förtchen Poffertjes Aebleskiver

Falls ihr die Pförtchen zum Nachmittagskaffee vorbereiten möchtet, könnt ihr sie auch im Backofen warmhalten. Sie fallen dann nur nach einer Zeit zusammen.


An dieser Stelle möchte ich euch einmal Danke sagen für die letzten Monate, in denen ihr so fleißig meinen Blog verfolgt, liked und kommentiert. Ich freue mich immer von euch Rückmeldungen zu bekommen, wenn ihr Kekse nachbackt und DIYs werkelt, die ich euch gezeigt habe. Euch zu animieren kreativ zu sein ist wirklich das Schönste! Und natürlich habe ich in den letzten Monaten auch viele tolle Blogger-Kollegen kennengelernt und ich hoffe, dass noch einige hinzukommen.

Für das neue Jahr wünsche ich euch all das, was ihr euch wünscht :). Allen voran Gesundheit, Zufriedenheit und Liebe. Feiert schön!

Eure Marileen

Nachträglich verlinkt bei #vergisstmannicht zum Thema Nostalgie – Rezepte deiner Familie.

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9 Comments

  1. Grünzeug 31. Dezember 2015 at 11:19

    Ich finde, die Pförtchen sehen wirklich klasse aus – ich kann beinahe fühlen, wie sie auf der Zunge zergehen. Vielleicht mache ich davon einmal eine vegane Variante – das würde mich sehr reizen. Natürlich, nachdem ich mir die Pfanne angeschafft habe. 🙂
    Die Tradition des Rummelpottlaufens kannte ich noch nicht und finde es immer spannend, die Geschichten hinter bestimmten Gebäcken und Rezepten kennen zu lernen.

    Ich wünsche dir auch ein schönes, glückliches und gesundes neues Jahr! 🙂

    Liebe Grüße
    Jenni

    Reply
    1. marileen 31. Dezember 2015 at 18:22

      Liebe Jenni,
      vielen Dank für deinen Kommentar! Zugegebenermaßen habe ich von veganen Rezepten nicht viel Ahnung, aber ich würde mich freuen, wenn du mir Bescheid gibst, ob es geklappt hat :).
      Liebe Grüße, Marileen

      Reply
      1. Grünzeug 1. Januar 2016 at 14:59

        Das mache ich gerne! 🙂

        Liebe Grüße
        Jenni

        Reply
  2. Hartmut Falk 31. Dezember 2015 at 13:10

    Ich habe auch noch so eine Pfanne im Keller. Bisher nie benutzt. Aber jetzt werde ich mir die Pförtchen backen. Danke für das Rezept & ein gutes neues Jahr.. LG Hartmut

    Reply
    1. marileen 31. Dezember 2015 at 18:23

      Hallo Hartmut,
      na wenn du schon eine Pfanne im Keller hast, dann mal schnell hoch damit ;). Du wirst es nicht bereuen!
      Liebe Grüße, Marileen

      Reply
  3. Gesa 14. Januar 2016 at 12:24

    Liebe Marileen,
    ich komme nicht ganz so weit aus dem Norden wie Du ( „nur“ Rendsburg) und finde es unheimlich schade, das meine Kinder das Rummelpottlaufen hier in Stuttgart nicht kennenlernen! Die Förtchen gab es immer bei meiner Oma und wir Enkelkinder hatten immer einen Wettstreit, wer die meisten essen kann! Dazu gab es Rotjohannisbeersaftsuppe mit Sago. Kennt das heute überhaupt noch jemand? Auf jeden Fall hole ich heute Nachmittag die Pfanne hervor und mache welche für meine Kinder, mal sehen, wie sie ankommen!
    Vielen Dank für das Rezept!

    Reply
    1. marileen 14. Januar 2016 at 21:22

      Liebe Gesa,
      ganz lieben Dank für deinen Kommentar! Glücklicherweise haben die Stuttgarter ja auch eine sehr leckere Küche, aber an Pförtchen kommt einfach nichts heran ;). Ich könnte auch jedesmal wahnsinnig viele von denen essen!!
      Freut mich, dass du deine Pfanne heute herausgeholt hast und deine Kinder freut es bestimmt umso mehr ;).
      Dir noch einen schönen Abend!
      Liebe Grüße, Marileen

      Reply
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